Vera Hozáková




Vera Hozáková, geboren am 28.10.1917 in Tschechien, tritt 1938 in die Kommunistische Partei ein. Sie wird verhaftet, weil sie im Auftrag der Partei Kontakt zu einem bekannten, im Untergrund lebenden Kommunisten hergestellt hat. Im Januar 1942 wird sie ins Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Vera Hozáková erlebt die Befreiung, bleibt aber noch bis Ende Mai in Ravensbrück, um ihre kranken, gehunfähigen Freundinnen zu pflegen. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat heiratet sie noch im selben Jahr ihren Verlobten, der auf sie gewartet hatte. Sie bringt vier Kinder zur Welt und ist als Architektin tätig. Heute lebt sie in Hradec Kralóve. Drei Dinge, so Vera Hozáková, hätten ihr geholfen, das Konzentrationslager zu überleben: Gedichte, Freundschaften und die Hoffnung auf eine Zukunft. Der kleine Vogel markiert zusammen mit dem Stacheldraht und der Mauer die Grenze der Bewegungsfreiheit. Für das Ich wird der Vogel und sein Singen zum Sinnbild für Freiheit und selbstbestimmte Handlungsfähigkeit. Die Verknüpfung der Bilder des Frühlings mit dem Ich an einem Ort der Gefangenschaft, finden im Mund des ich statt - es "fühlte im Mund den Frühling". Eine (Wieder-)Belebung des erstarrten Ich ist die Folge. Der Mund ist symbolischer Ausdruck für eine sinnliche Erfahrung und steht als pars pro toto für einen kommunikativen Akt des Bezeugens dieser Erfahrung. Damit überwindet er für diesen einen Moment nicht nur die Begrenzung des Lagers, sondern auch die Begrenztheit eines gesichtslos und starr gewordenen Ich. Das Gedicht wird zum Gefäß für diese Erfahrung und ermöglicht im redenden Vollzug eine Erinnerung.

Constanze Jaiser


Stimmen aus Ravensbrück    © Pat Binder