Zapping. Objekte und Installationen, 1995 - 1999

Zapping-Line, 1996

Zapping-Line, 1996
Fernsicht, 1996/97

Fernsicht, 1996
Notbett, 1995/96

Notbett, 1995/96
Leiter, 1995/96

Leiter, 1995/96
Zapping Box, 1996/97

Zapping Box
1996/97

Mein Projekt zapping - lines ist ein kristallisiertes Gebärdenspiel zwischen verschiedenen technologisch bedingten Gesten eines Individuums, vom passiven zapping und automatischen klicking her, über das aktivere sampling hin bis zu der sich selbst behauptenden insert-Gestik. Meine Absicht dabei ist, aus einer beschleunigten Bilderwelt noch ein wenig Information über unsere Conditio Humana herauszudestillieren .

Im heutigen Überfluß an Bildern, der all die »geschichtlichen« Ereignisse auf unaufhaltsam unterhaltsamen Art in sich einsaugt und wieder ausspuckt, rollt das gegenwärtige Geschehen nicht mehr irgendeiner Zukunft, sondern eben dieser technischen »Einbildung« entgegen. Die politische Aktion wie die gewonnene Schlacht scheinen es nicht darauf abgesehen zu haben, die Welt zu verändern, sondern fotografiert oder gefilmt zu werden, genauso wie die Mondlandung ein Fernsehprogramm war (Flusser). Ähnlich inszeniert man heute ein Hochzeitsfest, um die Fotos und Videos zeigen zu können. Nur das individuelle Sterben bleibt einsam und bilderlos.

Als trainiertes T.V. Kind kann ich selbst auch nicht anders als mich von dieser Wirklichkeit überfluten zu lassen und eifrig-gelangweilt hin und her zu zappen. Es kann ab und zu geschehen, daß ich knipsend ein paar gerasterte Flimmerfetzen in meinem Fotoapparat einfange. Bilder von Bildern einer eingebildeten Weltanschauung. Erst indem ich diese redundanten Aufnahmen wie ein D.J. sample und sie in verschiedenen Serien zu Rhythmen zusammenstelle, kann ich hoffen, noch irgenwie als Subjekt in den Bilderstrom einzufließen, vielleicht sogar Einfluß auf ihn zu gewinnen. Mein künstlerischer Anspruch verlangt von mir aber weniger eine Machtausübung oder Mitläuferrettung als vielmehr eine überlebensnotwendige Selbst(er)findung. Durch einen insert- Schnitt versuche ich mich mit einem Eigenprogramm einzuschalten: mein Selbstbewußtsein als »resistance - image«, als Schützengraben meiner Sehnsüchte und Ängste, als Werbespot meines innersten Selbstgefühls, das ich, wenn es mir oft genug angepriesen wurde, zuletzt noch zu »kaufen« beginne (»to buy« bedeutet umgangssprachlich auch »an etwas glauben«).

Pat Binder: Zapping als Selbstbewußtseinsstrategie
In: Pat Binder: Zapping. Institut für Auslandsbeziehungen, Berlin 1996

Ballottement

Ballottement, 1995/96
Videoinstallation
 


Augenblick ..., 1997
Porträts, 1999

Porträts, 1999
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